ANIMAL PLANETS - Truthuhn (Wildpute)


Systematik Vögel

Das Truthuhn (Meleagris gallopavo), auch als Truthahn bekannt, ist eine in Nordamerika beheimatete Art der Truthühner und ist die Wildform des Haus-Truthahns (Pute), welches bereits von den Azteken domestiziert wurde.

Truthuhn (Pute)
© Dieter Kaiser: Truthuhn
   Quelle: pixelio.de

Bevor Amerika von den ersten Europäern besiedelt wurde, war das Truthuhn weit verbreitet. Auch die ersten Siedler bevorzugten das Truthuhn und Benjamin Franklin schlug es wenig erfolgreich als Nationalvogel der USA vor. Im Jahr 1519 kam das Truthuhn durch Hernan Cortez über Spanien nach England. Durch Rodungen von Waldgebieten und unkontrollierte Jagd wurden die Truthühner gegen Ende des 19. Jahrhunderts beinahe ausgerottet.

Truthühner gehören zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes). Es gibt zwei Arten: Truthuhn, Wildpute (Meleagris gallopavo) und Pfauentruthuhn (Meleagris ocellata).

UNTERARTEN:

Während beim Pfauentruthuhn keine Unterarten vorkommen, existieren einige Unterarten beim Truthuhn. Bei der Zahl der Unterarten gehen die Auffassungen weit auseinander. Sie reicht von 4 nordamerikanischen Unterarten bis zu 7 nach Wissel.

  • Haus-Truthuhn (Meleagris gallopavo domesticus) - Linné, 1758

  • Florida Truthuhn, Osceola Truthuhn (Meleagris gallopavo osceola) - (Scott, 1890)
    Sie kommt auf der Halbinsel Florida vor. Es leben dort zwischen 80.000 bis 100.000 Vögel. Das Florida Truthuhn (engl: Osceola Wild Turkey or Florida Wild Turkey) ist nach dem berühmten Seminolenanführer Osceola benannt und wurde erstmals im Jahre 1890 beschrieben. Sie ist kleiner und dunkler als der Eastern Wild Turkey. Die Schwungfedern sind sehr dunkel. Ihr Federnkleid schillernd grün-lila. Sie werden oft in Gestrüpp von Palmetto und gelegentlich in der Nähe von Sümpfen gesehen, wo reichliche Nahrung (Amphibien) vorhanden ist.

  • Gould-Truthuhn: (Meleagris gallopavo mexicana) - (Gould, 1856)
    Engl.: Gould's Wild Turkey. Einheimisch in den zentralen Tälern bis zu den nördlichen Bergen von Mexiko und in den südlichsten Teilen von Arizona und New Mexico. Goulds Wilde Truthähne sind stark geschützt. Die Unterart wurde erstmals im Jahre 1856 beschrieben. Es gibt sie in kleinen Stückzahlen in den USA, im Nordwesten von Mexiko ist sie reichlich vertreten. Eine kleine Bevölkerung existiert in Süd-Arizona. Goulds sind die größten der fünf Unterarten. Sie haben längere Beine, große Füße, und eine längere Schwanzfedern. Die wichtigsten Farben der Federn sind Kupfer und grünlich-gold. Diese scheue Unterart ist geschützt.

  • Merriam-Truthuhn (Meleagris gallopavo merriami) - (Nelson, 1900)
    Das Merriam Truthuhn (engl.: Merriam Wild Turkey) besiedelt Bereiche von den Rocky Mountains und den umliegenden Prärien von Wyoming, Montana und South Dakota, sowie ein großer Teil der Hochebene von New Mexico. Die Population beträgt 334.460 bis 344.460 Vögel. Diese Unterart hat auch wurde in Oregon eingeführt. Merriam wilde Truthähne leben in den Ponderosa Kiefer-und Bergregionen. Die Unterart wurde 1900 zu Ehren nach Clinton Hart Merriam, den ersten Chef der U.S. Biological Survey, benannt.
    Der Schwanz und die unteren Rückenfedern haben weiße Spitzen und Lila und Bronze-Reflexionen.

  • Moore-Truthuhn (Meleagris gallopavo onusta) - Moore, 1938

  • Ostamerikanisches Truthuhn (Meleagris gallopavo silvestris) - (Viellot, 1817)
    - Ost-USA (von Maine im Norden bis N-Florida, westlich bis Michigan, Illinois und Missouri)
    - Kanada (südöstlich von Manitoba, Ontario, Quebec und den maritimen Provinzen)
    - Die Oberschwanzdecken sind kastanienbraun gekippt.
    - 5,1 to 5,3 Million Vögel
    - Die Männchen können bis zu 14 kg (30 £) an Gewicht erreichen.
    - Das östliche Truthuhn (engl.: Eastern Wild Turkey) wird stark im Osten der USA gejagt und
    - ist die meist gejagte Wildtruthuhn-Unterart.

  • Rio Grande Truthuhn (Meleagris gallopavo intermedia) - (Sennett, 1879)
    Verbreiterung von Texas nach Oklahoma, Kansas, New Mexico, Colorado, Oregon, wurde in Mittel- und West-Kalifornien eingeführt, sowie in Teilen von wenigen nordöstlichen Staaten. Es wurde auch auf Hawaii in den späten 1950er Jahren eingeführt. Bevölkerungsschätzungen für diese Unterart reichen von 1.022.700 auf 1.025.700.
    Diese Unterart wurde erstmals 1879 beschrieben. Sie hat relativ lange Beine, um an ihren Lebensraum (Prärie) angepasst zu sein. Die Federn haben oft einen grün-kupfernen Glanz. Die Spitzen des Schwanzes und die unteren Rückenfedern sind leicht bräunlich. Seine Lebensräume sind Bereiche neben Bächen, Flüssen oder Mesquite-, Kiefern- und Eichenwälder-Gestrüpp. Der Rio Grande Türkei ist gesellig. Die enl.Bezeichnung ist Rio Grande Wild Turkey.

  • Südmexikanisches Truthuhn (Meleagris gallopavo gallopavo) - Linné, 1758
    Mexiko

RASSEN des HAUS-TRUTHUHNS:

  • schwarze Norfolk-Blackpute
  • Cambridge-Bronzepute
  • weiße australische Pute (Schneepute oder Virginische Pute)
  • Jersey-Buff-Pute
  • schieferfarbene Pute
  • belgische Ronquierres-Pute

STECKBRIEF

  • Verbreitung:
    O-USA, S-Kanada bis zu den Great Plains und nach S bis Mexiko
  • Eingeführt in:
    Hawaii, W-USA, Australien, Neuseeland, Spanien
  • Lebensraum:
    gemäßten bis tropischen Klimaten, Gehölze, gemischter offener Wald
  • Länge:
    90 - 120 cm
  • Gefieder:
    dunkel, glänzendes metallisch-bronzefarbenen und grünen Schimmer
  • Stimme:
    glucksende und kollernde Laute
  • Gewicht:
    3-9 kg bei domestizierte Tiere, ♂♂ doppelt so schwer wie ♀♀
  • Gelege:
    8-15 Eier, cremefarben, braun gefleckt
  • Brutdauer:
  • Nahrung:
    Sämereien, Nüsse, Eicheln, Früchte, Nutzpflanzen (z.B. Mais etc), Wirbellose, kleine Wirbeltere
  • Schutzstatus:
    steht auf Vorwarnliste

ANATOMIE:

Truthühner sind (ca. 90 - 120 cm groß) in Gruppen lebende, waldbewohnende Hühnervögel. Der Kopf und der Hals ist nackt, rötlich violett, mit Karunkelbildung und lappenförmigen Anhängen. Die kräftigen Beine des Männchen besitzt einen Sporn. Normalerweise laufen Truthühner, können aber auch kurze Strecken fliegen. Sie leben polygyn, d.h. ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen.

Die Farbenschläge werden in drei Gewichtsklassen eingeteilt. Zur schwersten Klasse mit den kräftigsten Farbenschläge sind Bronzefarbig, Weiß, und Schwarzflügel. Zur mittleren Gewichtsklasse, zählen Bourbon, Schwarz und Rotflügel. Zu den leichten Farbenschlägen, gehören Cröllwitzer, Blau, Kupfer, Rot und Gelb.

LEBENSWEISE:

Nest mit Eier

Die Brutdauer beträgt 28 Tage, Junge verlassen das gut am Boden versteckte Nest nach 1 Nacht. Die Produktion von Putenfleisch hat vor allem in den USA, in Italien, Großbritannien und Frankreich eine große wirtschaftliche Bedeutung. Zwei wesentliche Unterschiede zu Hühnern im Verhalten sind das Fehlen des Scharrtriebes und zielloses Davonlaufen in Schrecksituationen, dadurch kann es bei Stallhaltung zum Tod vieler Tiere durch Erdrücken führen.

Foto: © D. Gordon E. Robertson: Wild Turkey (Meleagris gallopavo), Nest mit 10 Eiern, Ottawa, Ontario, Kanada. Quelle: Wikipedia (en)

Nest mit Eier

Puten sind stressempfindliche Tiere. Stress ist oft Anlass für Krankheiten bzw. Verhaltensstörungen.
Die wichtigsten stressauslösenden Faktoren sind Wechsel des Betreuungspersonals, falsche Ernährung, extreme Temperaturen, Futtermangel, Wassermangel, in Ställen mangelhafte Lüftung, plötzlicher Witterungsumschlag, Donner, Lärm, Lichtreflexe (z.B. Blitz), Transport bzw. Umstallung und Schnabelstutzen.

Foto: © Wing-Chi Poon: Rio Grande Truthuhn (Meleagris gallopavo intermedia) - Palo Duro Canyon State Park, Canyon, Texas, USA. Quelle: Wikipedia (en)

KRANKHEITEN:

Knochenweiche, Virusinfektionen (z.B. Putenschnupfen), Bakterieninfektionen (z.B. Coliinfektionen, Salmonellose, Staphylokokkeninfektion, Ballenentzündung, Rotlauf), Protozoeninfektionen (z.B. Kokzidiose), Kannibalismus, Pilzinfektionen, Parasiteninfektionen (z.B. Magen-Darm-Wurminfektion, Insekten und Schädlinge) und Oberschenkelbruch

FRESSFEINDE:

Zu den Feinden in der freien Natur zählen der Puma (Puma concolor), Virginia-Opossum (Didelphis virginiana), Waschbär (Procyon), Streifenskunk (Mephitis mephitis), Kojote (Canis latrans), Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Rotluchs (Lynx rufus), Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), Waldmurmeltier (Marmota monax) etc.

NAHRUNG:

Truthühner sind Allesfresser und ernähren sich von tierischer und auch von pflanzlicher Nahrung. Sie fressen Blätter, Wurzel, knollen, junge Triebe, Sämereien, Früchten, Körnern, Insekten sowie kleine Amphibien und Reptilien.

HALTUNG:

Die großen Volieren sollten mit einer üppigen Bepflanzung - Bäume und Gebüsch - ausgestattet sein, 1/3 davon überdacht. Auch ist eine Freilaufhaltung möglich. Die Vergesellschaftung mit Haushühner oder Tauben ist möglich.

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH, SCHWEIZ:

Im Jahre 1871 wurde das Truthuhn in Österreich (Donauauen, östlich von Krems) eingebürgert. Die Vermehrung erfolgte von 6 Wildtruthühner (1880) auf ca. 500 Stück (1884).

LITERATUR:

  • Pierandrea Brichetti, Vögel - In Garten, Park und freier Natut, Neuer Kaiser Verlag, Klagenfurt 2002
  • Joseph Forshaw, Vögel - Enzyklopädie der Tierwelt, Orbis Verlag ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH., München 2003
  • Bernhard Grzimek, Grzimeks Tierleben - Vögel 1, Band 7, Lizenzausgabe für Weltbildverlag, Augsburg 2000
  • Hermann Heinzel, Richard Fitter, John Parslow, Pareys Vogelbuch, Parey Buchverlag Berlin, Berlin - Wien 1996
  • Redaktionsbüro LOOP, Der Brockhaus - Tiere und Pflanzen, F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 2001
  • Christopher Perrins (Hg.), Vögel der Welt, BLV Verlagsgesellschaft mbH., München 2004
  • Dr. Hans Petzsch, Urania Tierreich - Vögel, Urania Verlag, Berlin 2000
  • Verhoef-Verhallen Esther, Zier-Vögel Enzyklopädie, Edition Dörfler Nebelverlag GmbH., Eggolsheim

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.