ANIMAL PLANETS - Schmetterlingsart Apollofalter (Roter Apollo)


  • Ordnung:
    Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie:
    Ritterfalter (Papilionidae)
  • Unterfamilie:
    (Parnassiinae)
  • Gattung:
    (Parnassius)
  • Untergattung:
    (Parnassius ),
  • Art:
    Apollofalter, Roter Apollo (Parnassius apollo), (Linnaeus, 1758)
  • Unterart:
    Apollofalter (Parnassius apollo brittingeri), (Rebel & Rogenhofer, 1893)
  • Unterart:
    Apollofalter (Parnassius apollo cetius), Fruhstorfer 1909

TAXONOMIE

Der Apollo tritt in einer Vielzahl von mehr als 270 beschriebenen Unterarten auf, deren taxonomischer Status jedoch in den meisten Fällen sehr umstritten ist. In Österreich werden grundsätzlich zwei Unterarten unterschieden, die Flachlandrasse Parnassius apollo cetius und die Gebirgsrasse Parnassius apollo brittingeri, ergänzt durch zahlreiche Lokalformen, die jedoch kaum namensberechtigt sind.

In Österreich ist vor allem Parnassius apollo cetius bedroht, die Unterart Parnassius apollo brittingeri weniger gefährdet.

Einige Unterarten, Verbreitungsbebiet und ihr Lebensraum:

Parnassius apollo apollo, Linnaeus, 1758: Schweden (südlichen Flachland). Spannweiten von 76 bis 88 Millimetern, auf den Hinterflügeln haben die großen Augenflecken oft deutliche weiße Spiegel. Die Raupe ernährt sich hauptsächlich von Sedum telephium, frisst aber auch Weiße Fetthenne (Sedum album).

Parnassius apollo filabricus, de Sagarra y Castellarnau, 1933: Spanien (Betische Kordillere - Sierra de los Filabres). Der Falter lebt auf 2000 bis 2100 Metern Höhe.

Parnassius apollo nevadensis, Oberthür, 1891: Spanien (Betische Kordillere - Sierra Nevada ). Der Falter lebt auf 1700 bis 2500 Metern Höhe in der Sierra Nevada (Betische Kordillere) und werden mit zunehmender Höhe deutlich kleiner.

FLÜGEL:

Der Schmetterling ist mit einer Flügelspannweite von 65 - 86 mm sehr groß und sie haben auffallend weiß-schwarzen Flügeln mit große und kleinere schwarze Flecken auf allen Flügeln und rot gekernten Augen am Hinterflügel, meistens weiß gekernt. Die Vorderflügel sind am Außenrand glasig und kaum beschuppt. Das Weibchen besitzt einen roten, sogenannten Postdiskalfleck auf dem Vorderflügel. Die Antennen (Fühler) der Tiere sind hellgrau und die keuligen Antennenspitzen dagegen dunkelgrau.

VERBREITUNG:

Sind in den Gebirgsregionen Europas von Spanien über Mitteleuropa, nördlich bis Südskandinavien bis in den Mittelmeerraum (östlich bis nach Griechenland einschließlich dem Peloponnes in Höhen von 500 bis 2.500 m) sowie bis zum Ural, dem Kaukasus und in Zentralasien, beheimatet. Er kommt jedoch vielfach nur lokal vor.

LEBENSRAUM:

Der Apollo bevorzugt felsige oder felsdurchsetzten Hänge, in sonniger südexponierter Lage. Auch Straßenböschungen, Flussdämme oder Steinbrüche werden gerne besiedelt. In Österreich erstreckt sich die Höhenverbreitung von ca. 200 m bis gegen 2000 m.

LEBENSWEISE:

Apollofalter sind Tagfalter. Die Jungraupen überwintern voll entwickelt im Ei. Nach dem Schlupf im ersten Frühjahr fressen sie, je nach lokalklimatischen Bedingungen, von April bis Juli die Blätter. Schließlich erfolgt im Frühsommer die Verpuppung in einem leichten Gespinst am Boden. Die Falter fliegen tagsüber im Sonnenschein, je nach Exposition und Höhenlage zwischen Ende Mai und Ende August. Sie saugen gerne an blauvioletten Blüten wie Flockenblumen, Skabiosen oder Disteln. Im Vergleich zum Raupenhabitat unterschiedlich sind daher auch die zeitweiligen Falterhabitate nämlich blütenreiche Saumstrukturen.

FORTPFLANZUNG:

Seine Eier legt der Apollofalter auf verholzte Stängel, Blätter, oder auch an die Blätter der Futterpflanze, das ist in Mitteleuropa vor allem der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album), ab. Das Ei ist weiß gefärbt und rundlich, mit stark körniger Oberfläche. Die samtschwarze Raupe des Apollofalters hat beidseits rötliche oder gelbe Flecken. Die Verpuppung findet in einer kokonartigen Hülle unter Steinen oder Moos statt. Die Farbe der Puppe ist bläulich schimmernd bis bräunlich. Die schwarz gefärbte, kurz behaarte und samtartig wirkende Raupe besitzt drei dunkelrote bis gelbliche Seitenflecken je Segment. Sie besitzt eine rötliche Nackengabel. Die frei in einem zarten Gespinst liegende Mumienpuppe ist bläulich bereift. Das Weibchen besitzt nach der Begattung am Hinterleib eine sklerotisierte Begattungstasche (Sphragis), die vermutlich die Kopulation durch weitere Männchen verhindern soll.

NAHRUNG:

Ernährt sich von den Blättern der Fetthenne (Hauptfutterpflanze).

LEBENSERWARTUNG:

Der Apollofalter fliegt als Schmetterling in einer Generation von Mai/Juni bis September. Apollofalter sind gefährdet durch Lebensraumverlust (Verbuschung und Verwaldung bzw. Übernutzung durch Mahd). Apollos sind streng geschützt und unterliegen dem Washingtoner Artenschutzabkommen.

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ:

In Österreich aus allen Bundesländern nachgewiesen, aktuell ist er jedoch im Burgenland und in Wien verschwunden.

IUCN-Status:

Österreich: "Gefährdung droht" eingestuft, d.h. es ist mittel- bis langfristig das Aussterben der Art in ganzen Regionen zu befürchten.
Ursachen: Verbuschung oder Aufforstung von Felssteppen sowie von Sekundärstandorten wie Ufer- und Straßenböschungen, der Einsatz von Spritzmitteln im Weinbau, Luftverschmutzung durch Verkehr oder die Entfernung von Saugpflanzen. Vielfach sind die Faktoren für das Verschwinden jedoch unzureichend bekannt. Generell betrifft die Gefährdung vor allem die Regionen des Flachlands. Die Situation in den höher gelegenen Gebirgen, wo der Apollo teilweise noch in individuenreichen Populationen fliegt, ist besser.
Schutzmaßnahmen: Vermeidung von Aufforstungen, die mit Experten abzustimmende Pflege von Blühhorizonten, die Entfernung von aufkommenden Gehölzen in den Raupenhabitaten und soweit nötig die strikte Überwachung von Sammelverboten in Frage.
In verschiedenen Regionen Europas wurden auch Wiederansiedlungsprojekte gestartet, so auch in der Wachau oder im oberen Pinzgau.

ANMERKUNG:

Der Apollofalter ist eine weitum bekannte Gebirgsschmetterlingsart. Es handelt sich bei dem Apollofalter, um eine der ersten geschützten Arten von Wirbellosen Tieren in Europa, die auch in vielen Regionen stark gefährdet ist.

Weitere bekannte Arten sind der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), der Apollo (Parnassius apollo), der Segelfalter (Iphiclides podalirius) und der in O-Österreich anzutreffende Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena).

Der Apollofalter ist relativ leicht mit dem Alpenapollo (Parnassius phoebus) zu verwechseln. Er besitzt aber einerseits am Vorderflügelrand nur ausnahmsweise einen roten, gut ausgeprägten Flecken und als wichtigstes Merkmal einen kaum geringelten Fühlerschaft und die Fühler sind deutlich schwarz-hellgrau geringelt. Der Apollo ist an trocken-warme Lebensräume gebunden ist, der Alpenapollo hingegen an Bergbäche und Quellfluren in der Gebirgsregion. In sehr seltenen Fällen wurden aber schon mutmaßliche Hybriden zwischen beiden Arten beobachtet.

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.