ANIMALS PLANET - Kamel


Kamel
© Ernst Rose: Kamel
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Sie gehören zur zoologischen Familie der Kamele (Camelidae) und zur Ordnung der wiederkäuenden, langhalsigen und hochbeinigen Paarhufer (Artiodactyla).

Die Unterteilung der Kamele erfolgt in:

  1. Altweltkamele (2 Arten): Trampeltier und Dromedar
  2. Neuweltkamele (4 Arten): Lama, Alpaka, Guanako und Vikunja

Zu der Gattung der Altweltkamele (Camelus) gehören: das Trampeltier auch Zweihöckrige Kamel oder Baktrisches Kamel (Camus bactrianus) genannt und das Dromedar oder Einhöckriges Kamel (Camus dromedarius).

Dromedare und Trampeltiere sind untereinander kreuzbar, Hybride werden Tulus oder Bukhts genannt. Sie sind größer als jeder Elternteil und haben entweder einen einzelnen, lang gezogenen oder einen größeren und einen kleineren Höcker. Weibliche Tiere, die wiederum mit einem Trampeltier gepaart werden, finden in Kasachstan Nutzung als Reitkamele. Auch mit Lamas wurden Altweltkamele durch Insemination gekreuzt. Die so entstandenen Hybride wurden von den verantwortlichen Wissenschaftlern "Camas" genannt.

Trampeltier
© guedo: Trampeltier
   Quelle: pixelio.de

Vor über 5.500 Jahren wurden die Kamele aus dem Wildkamel (Restbestände in der Wüste Gobi und in NW-China) domestiziert. In den Emiraten reicht die Nutzung von Kamelen nachweislich bis 2600 v. Chr. zurück. Sie dienen vor allem als Last- und Reittiere in den Trockengebieten, auch ihr Fleisch, Fett, Milch, Wolle (Kamelhaar) und Leder wird genutzt. Ihr Dung wird getrocknet und als Brennmaterial verwendet.

Vom Trampeltier sind drei Rassen bekannt: das astrachanische, das burjat-mongolische und das kasachische Trampeltier.

Vom Dromedar gibt es unzählige Rassen. Darum wurden die Tiere über fast alle Wüsten der Erde, sogar bis nach Australien, wo sie im 19. Jahrhundert eingeführt wurden, angesiedelt. Das Schaukelnde ihres Ganges bescherte den Altweltkamelen den Beinamen "Wüstenschiff". Trampeltier und Dromedar sind robuste Tiere.

KÖRPERBAU UND FUNKTION

Typische Merkmale der Kamele sind die gespaltene behaarte Oberlippe, der lange, geschwungene Hals auf dem ein langgezogener schlanker Kopf mit kegelförmiger Schnauze sitzt. Weiters das Fehlen der Spannhaut zwischen Bauch und Oberschenkel, wodurch die Beine länger erscheinen; Unterarmknochen am unteren, z.T. auch am oberen Ende verschmolzen. Reste des Wadenbeins befinden sich am unteren und oberen Ende des Unterschenkels.

Die deutsche Bezeichnung Schwielensohler bezieht sich auf den eigentümlichen Fußbau. Das Fell ist dicht und wollig, wenige Grannenhaare. Es treten Mähnenbildungen an verschiedenen Körperteilen auf.

Die Beine der Altweltkamele sind vergleichsweise lang und die Füße haben zwei Zehen, die nicht mit Hufen sondern mit schwieligen, elastischen Polstern aus Bindegewebe versehen sind. Sie sind Passgänger, d.h. sie berühren den Boden mit dem letzten Glied der dritten und vierten Zehe. Die übrigen Zehen sind zurückgebildet und sie tragen keine Hufschalen, sondern gebogene Nägel.

Im Milchgebiß sind noch drei obere Schneidezähne vorhanden, während sie im Dauergebiß pro Kieferhälfte nur einen oberen Schneidezahn besitzen. Die Augen sind mit großen Lidern und mit langen Wimpern versehen und die Nasenlöchern sind verschließbar (Schutz bei Sandstürmen). Der Kopf ist gestreckt und der Scheitel gewölbt. Die eiförmigen Ohren sind klein bis mittelgroß.

Der Magen setzt sich aus mehreren Kammern zusammen. Der Magen der Kamele besteht aus Pansen, Netz- und Labmagen. Ein Blättermagen fehlt. Die Schlundrinne ist in primitiver Form ausgebildet. In der Magenwand sind große, zur Wasserspeicherung befähigte Zellen. Kamele sind die einzigen Säugetiere bei denen die Blutkörperchen oval sind. Dromedare haben ein relativ kurzes Fell, bei den Trampeltieren sind die Haare insbesondere in den Wintermonaten sehr lang - im Frühling kommt es zu einem Fellwechsel.

Kamele besitzen wie der Mensch Schweißdrüsen und können ebenso wie der Mensch schwitzen, da die Körpertemperatur tagsüber um 6 bis 8° C ansteigen kann. Die Schweißdrüsen liegen tiefer in der Haut als bei anderen Säugern und sie sind einfach, gewunden und schlauchförmig und münden in primären Haarfollikeln. Sie befinden sich außer an den Nasenlöchern, an der Oberlippe und im Analbereich. Ein paar Hautdrüsen befinden sich am Hinterkopf beider Geschlechter (Brunstdrüsen). Sie besitzen zweiunddreißig bis achtunddreißig Zähne.

Eine weit verbreitete und gefährliche Krankheit ist Kamelräude, die oft groß Verluste anrichtet.

ERNÄHRUNG

Altweltkamele besitzen Höckern und sind groß. Sie lagern in ihren Höckern für Hungerperioden Fett ein, mit dessen Hilfe sie bis zu 30 Tage ohne Nahrung auskommen. Um wasser- und nahrungslose Wüstengebiete durchqueren zu können speichern sie im Magensystem ihren Nahrung- und Wasservorrat, der zwischen ca. 100 und 150 l betragen kann und für eine Durstperiode von bis zu 2 Wochen ausreicht. Beim Auffüllen ihres Wasserspeichers schaffen sie es, innerhalb von zehn Minuten über 100 Liter Wasser auf einmal zu trinken und einzulagern. Um den Wasserverlust zu begrenzen scheiden sie konzentrierten Urin und trockenen Kot aus. Sie ernähren sich von Pflanzen, die andere Säugetiere verschmähen, wie Salzbüsche, Trockenpflanzen und Dornsträucher.

FORTPFLANZUNG

Sie sind tagaktive Tiere und leben in freier Wildbahn zumeist in Haremsgruppen, die aus einem Männchen, mehreren Weibchen und dem gemeinsamen Nachwuchs bestehen. Das Jungtier ist Nestflüchter und kann innerhalb kürzester Zeit selbstständig gehen. Jungtiere saugen ein Jahr am zweizitzigen Euter der Mutter, danach werden sie entwöhnt, nach fünf Jahren ist es geschlechtsreif. Sie werfen höchstens alle drei Jahre ein Junges. Die Neubegattung erfolgt bereits wenige Stunden nach der Geburt des Fohlen. Man verwendet bei Kamelen die gleiche Geschlechterbezeichnung wie beim Pferd: Hengst (männlich), Stute (weiblich) und Fohlen für das Jungtier.

LITERATUR:

  • Macdonald David (Hg.), Die große Enzyklopädie der Säugetiere, KÖNEMANN in der Tandem Verlag GmbH, Königswinter 2004
  • Redaktionsbüro LOOP, Der Brockhaus - Tiere und Pflanzen, F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 2001
  • Bernhard Grzimek, Grzimeks Tierleben - Säugetiere 4, Band 13, Lizenzausgabe für Weltbildverlag, Augsburg 2000
  • Dr. Hans Petzsch, Urania Tierreich - Säugetiere, Urania Verlag, Berlin 2000
  • Redaktionsbüro LOOP, Der Brockhaus - Tiere und Pflanzen, F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 2001