ANIMALS PLANET - Eurasischer oder Europäischer Fischotter


Fischotter
© Günther Dotzler | pixelio.de

Otter sind amphibisch lebende Arten der Marderfamilie (Mustelidae). Es gibt fünf Gattungen von Ottern:

  • Fischotter (Lutra)
  • Fingerotter
  • Kleinkrallenotter (Aonyx)
  • Riesenotter (Pteronura)
  • Seeotter (mit insgesamt 18 Arten.)

SYSTEMATIK

  • Überordnung:
    (Laurasiatheria)
  • Ordnung:
    Raubtiere (Carnivora)
  • Überfamilie:
    Hundeartige (Canoidea)
  • Familie:
    Marder (Mustelidae)
  • Unterfamilie:
    Otter (Lutrinae)
  • Gattung:
    Altweltotter (Lutra)
  • Art:
    Eurasischer Fischotter (Lutra lutra ), (Linnaeus, 1758)
  • Art:
    Nordamerikanischer Fischotter (Lutra canadensis )
  • Art:
    Mittelamerikanischer Fischotter (Lutra annectens )
  • Art:
    Fleckenhalsotter (Lutra maculicollis)
  • Art:
    Indischer Fischotter (Lutra perspicillata )
  • Art:
    Haarnasenotter (Lutra sumatrana )
  • Art:
    Chilenischer Fischotter (Lutra felina )
  • Art:
    Patagonischer Fischotter (Lutra provocax )
  • Art:
    Neotropischer Fischotter (Lutra longicaudis )

TAXONOMIE

Bis zu 15 Unterarten vom Fischotter (Lutra lutra) werden beschrieben. In Mitteleuropa ist die Nominatform Europäischer Fischotter (Lutra lutra lutra) beheimatet.

Unterarten:

Europäischer Fischotter (Lutra lutra lutra), (Linnaeus), 1758
Vorkommen: Europa, Russland, Mongolei und NO-China.

(Lutra lutra angustifrons), (Lataste, 1885)
Vorkommen: Algerien und Marokko

Chinesischer Fischotter (Lutra lutra chinensis), (Gray, 1867)
Vorkommen: China

(Lutra lutra meridionalis), (Ognev, 1931)
Vorkommen: Kaukasus, Iran, Irak, Syrien, Türkei, Israel und der Libanon.

(Lutra lutra seistanica), (Birula, 1912)
Vorkommen: Zentralasien - Russland, Turkmenistan, Ost-Iran, Afghanistan

(Lutra lutra monticola), (Hodgson, 1839)
Vorkommen: Nord-Indien, Nepal

(Lutra lutra hainana),( Matschie, 1907)
Vorkommen: China

Java-Fischotter (Lutra lutra barang), (Cuvier, 1823)
Vorkommen: Java, Thailand, Sumatra, Vietnam und Malaysia.

(Lutra lutra aurobrunnea), (Hodgson, 1839)
Vorkommen: Nepal

(Lutra lutra nair), (Cuvier, 1823)
Vorkommen: Sri-Lanka und S-Indien

(Lutra lutra kutab), (Schinz, 1844)
Vorkommen: Kashmir und Tibet

(Lutra lutra whiteleyi), (Gray, 1867)
Vorkommen: Japan/Hokkaido

(Lutra lutra japonica), (Nehring, 1887)
Vorkommen: Japan

(Lutra lutra baicalensis), (Dybowski, 1922)
Vorkommen: Sibirien/Baikalsee

(Lutra lutra ceylonica), (Pohle, 1920)
Vorkommen: Ceylon

ANATOMIE:

Der Fischotter hat einen breiten und flachen Kopf mit kleinen Augen, kurze Beine, mit Schwimmhäuten verbundene Zehen, einen walzenförmigen, gestreckten Körper, einen rundlichen und stumpfschnauzigen Kopf, an der Schnauze befinden sich lange Tasthaare (Sinnesorgan) und einen rundlichen bis zur Spitze hin sich verjüngenden Schwanz. Der muskulöse Schwanz dient dem Fischotter als Steuer- und Stabilisierungsorgan. Zwischen den Zehen der Vorder– und Hinterextremitäten sind Schwimmhäute ausgebildet.

GRÖSSE, GEWICHT etc.:

Größe: 90 bis 150 cm
Schulterhöhe: 25 bis 30 cm
Körperlänge: cm
Schwanzlänge: 40 cm
Gewicht: bis zu 15 kg, Im Schnitt wiegen die ♀♀ etwa 7,4 kg und die ♂♂ 10,5 Kilogramm.

FELL:

Die Farbe seines dichten und wasserundurchlässigen Fell ist am Rücken dunkelbraun, am Bauch hellbraun und der Kehl- und Kinnbereich weißgraun. Mit zunehmendem Alter färben sich seine Kehle und sein Vorderhals weißlich. Der Unterfell des Fischotters, etwa 70.000 Haare je qcm und die langen Grannen des Deckhaares, bieten aufgrund der ungewöhnlichen Struktur eine besonders wirkungsvolle Isolation gegen Kälte und Nässe. Es entsteht ein außerordentlich dichtes Fellgeflecht, welches isolierende Luftblasen festhält, gleichzeitig aber Wasser abweist. Auf diese Weise bleibt die Haut des Otters trocken und der Körper warm, obwohl dieser im Unterschied zu Delfinen, Walen, Eisbären oder Seelöwen über keine dicke Fettschicht verfügt.

Der Haarwechsel beim Fischotter vollzieht sich nur sehr langsam und etwa 10 Prozent seiner Wachzeit verbringt das Tier damit, sein Fell zu pflegen.

VERBREITUNG:

Der Fischotter ist ein an das Wasserleben angepasster nacht- und tagaktiver Marder und kommt in fast ganz Europa vor, Ausnahmen sind Island und den Inseln im Mittelmeers. In Asien ist er nördlich bis zum Polarkreis und noch einige Kilometer darüber hinaus verbreitet, weiters kommt er auf Japan und bis zu den Sunda-Inseln und im westlichen Nordafrika (Marokko und Algerien) vor.
 
An den deutschen Meeresküsten gibt es keine Otter mehr, wohl aber in Skandinavien und Schottland.

LEBENSRAUM:

Der Fischotter bevorzugter Lebensraum sind flache Flüsse mit dichter Ufervegetation und Überschwemmungsebenen und kommen auch im Salzwasser vor. Er besiedelt sowohl stehende als auch fließende Gewässer und kommt aber mit allen Arten von Süßwasser-Lebensräumen zurecht, solange die Gewässer klar und fischreich sind.
 
Die Ausdehnung der Reviere sind bis zu sieben Kilmometer lang und bis zu 100 m breite Uferstreifen werden von ihnen genutzt. Unter Ottersteigen versteht man gut getarnte Ausstiegen am Ufer und die dazugehörigen Pfade.

LEBENSWEISE:

Fischotter sind überwiegend Einzelgänger und vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Die Tiere sind gute Schwimmer und Taucher und können bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben und bis zu 18 m tief tauchen. Er legt auf seinen Jagdzügen viele Kilometer zurück. Beim Schwimmen ragen Kopf und Hals aus dem Wasser heraus, während der restliche Körper unter Wasser bleibt.
 
In vorhandene oder selbst gegrabenen Erdhöhlen der Uferböschung wird der Bau angelegt und der Eingang des Fischotterbau liegt etwa 50 cm unter der Wasseroberfläche. Der Wohnkessel (Wohnkammer) befindet sich über der Wassergrenze und bleibt trocken. Ein Luftschacht verbindet sie mit der Außenwelt.

FRESSFEINDE:

Zu den Feinden des Fischotters zählen der Wolf, der Luchs, der Seeadler, frei laufende Hunde und der Mensch. Nahrungsverknappung, Lebensraumzerstörung, die Verschmutzung der Gewässer, Straßenverkehr und Fischreusen sind die Hauptursache, warum Fischotter kein hohes Lebensalter erreichen.

FORTPFLANZUNG:

Die Hauptranzzeit liegt im Februar und März. Die Fischotter paaren sich nicht im Wasser, sondern an Land. In dieser Zeit gesellen sich Männchen zu den Weibchen und halten sich stets in ihrer Nähe auf. Zwischen April und Juni bringen bringen die Weibchen einmal im Jahr Junge zur Welt. Die Augen öffnen sie frühestens an ihrem 35. Lebenstag.

Die ersten Schwimmversuche unternehmen sie ab der 6. Lebenswoche. Von der Mutter werden sie zwischen acht und 14 Wochen gesäugt;. Mit etwa 9 Monaten sind Sie dann schon selbstständig. Sie bleiben in der Regel vierzehn Monate in der Nähe der Mutter, um von ihr die Jagd zu erlernen. Männliche Fischotter sind bereits mit zwei Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst in ihrem dritten Lebensjahr.
Körperlänge: max. 15 cm
Tragzeit: 58 bis 65 Tage
Wurfgröße: 2 bis 5, meist 2 bis 3 Junge
Gewicht: 80 bis 100 Gramm

NAHRUNG:

Nahrung des Fischotters sind: Fische (vor allem junge, schwächliche und kranke), Blesshühner, Enten, Bisamratten, Wasserratten, Schermäuse, Vögel, kleine Säuger, Frösche und Flusskrebse.

LEBENSERWARTUNG:

In Gefangenschaft gehaltene Fischotter erreichten ein Lebensalter von bis zu 22 Jahren. In der Natur lebende Fischotter werden nur 15 Prozent der Jungtiere eines Jahres älter als drei Jahre. Durchschnittlich leben sie 8 bis 13 Jahre.

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ:

Innerhalb des Verbreitungsgebietes ist er jedoch in vielen Regionen bedroht. In Deutschland gehört der Fischotter zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sein Gesamtbestand wird bundesweit auf etwa 700 Tiere geschätzt. Wichtige Verbreitungsgebiete in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
 
In Zentraleuropa gibt es noch größere Bestände in Tschechien, im Osten Deutschlands und im Bayerischen Wald sowie noch einige Restpopulationen in Österreich (Wald- und Mühlviertel, südlichen Burgenland und der Oststeiermark). Seit etwa zehn Jahren nimmt der Bestand wieder zu. In der Schweiz ist er seit 1989 ausgestorben. Projekte zur Wiederansiedlung befinden sich noch in der Abklärungsphase.

IUCN-Status: VU

ANMERKUNG:

Überreste, die eindeutig dem Eurasischen Fischotter zugeordnet werden, sind etwa 120.000 Jahre alt und stammen aus der Eem-Warmzeit. Weitere Fossilfunde unter anderem aus Österreich sind mit einem Alter zwischen 18.000 und 10.000 Jahren deutlich jünger.

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.