ANIMALS PLANET - Seehund (Phoca vitulina)


Seehund
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  • Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
  • Familie: Hundsrobben (Phoca)
  • Gattung: Seehund (Phoca)
  • Art: Seehund (Phoca vitulina), Linnaeus, 1758

TAXONOMIE

Unterarten:

Europäischer Seehund (Phoca vitulina vitulina),
Der Europäischer Seehund kommt im NO-Atlantik von Murmansk längs der Küste der Barentsee (selten), Färöer, Svalbard, und Island bis zur Ostsee, Großbritannien bis zur Kanalküste von Irland, N-Frankreich bis N-Portugal (selten).

(Phoca vitulina concolor),
NW-Atlantik: von S- und W-Grönland bis Baffinland und der Hudsonbay südlich entlang der N-Amerikanischen Ostküste bis CapeCod, Massachusetts und N-Florida.

(Phoca vitulina richardsi),
Westküste Nordamerikas (NO-Pazifik) von den Alëuten, Bristol Bay und den Pribilf-Inseln, Alaska, südlich bis zur Westküste von Baja California/Mexiko.

Kurilenseehund (Phoca vitulina stejnegeri),
Seine Verbreitung ist im N-Pazifik von den Alëuten, über die Kommandeur-Inseln, S- und O-Kamtschatka, Kurilen bis zur O-Küste von Hokkaido/Japan.

Ungava-Seehund (Phoca vitulina mellonae),
Kommt im Gebiet der Lacs des Loup Marins, den Süß,wasserseen im nördlichen Québec/Kanada vor. Er ist der einziger im Süßwasser lebende Seehund.

ANATOMIE:

Sie haben ein hundeähnliches Gesicht und schräge Zähne im Kiefer. Seehunde sind kleine und schlanke Robben (Männchen etwa 170 cm, Weibchen 140 cm, Gewicht 150 bzw. 100 kg). Sie haben einen rundlichen Kopf. Die Färbung ist regional sehr variabel; in deutschen Küstengewässern sind Seehunde dunkelgrau gefärbt und haben unregelmäßig über den Körper verteilte schwarze Flecken.

GRÖSSE, GEWICHT etc.:

Körperlänge: ♂ 150- 190 cm, ♀ 120 - 170 cm
Schwanzlänge: 16 - 19 cm
Gewicht: ♂ 55 - 170 kg, ♀ 45- 142 kg (je nach Unterart)

FELL:

Fellfarbe und Fellzeichnung unterschiedlich. Graue oder braune Grundfarbe mit Flecken und Ringen bei adulten Tieren. Die Jungtiere wechseln die weiß,liche Lanugo (Flaumhaar) bereits vor der Geburt, sie werden mit "Erwachsenenfell" geboren.

VERBREITUNG:

Der Seehund kommt in der Nordhalbkugel in Alaska, Baffinland, Beringmeer, USA (Kalifornien), Kanada, Mexiko, Mitteleuropa, Nordatlantik, Nordostpazifik, Nordpolarmeer, Nordsee/Ostsee, Nordwestpazifik, Osteuropa, Ostsibirien und Skandinavien vor.

LEBENSRAUM:

Bevorzugte Habitate sind Küsten mit trockenfallenden Sandbänken und auch an geschützten Felsküsten.

LEBENSWEISE:

Seehunde sind oft gemeinsam auf Felsen, Inseln, Sandbänken, manchmal auch auf Eis, meist in Küstengewässern unterwegs. Im Wasser sind Seehunde sind Einzelgänger und halten sich überwiegend oder in Kleingruppen auf. Sie können sehr gut schwimmen und bis zu 300 m tief und 30 Minuten lang tauchen. Sie sind jedoch keine sozialen Tiere und reagieren aggressiv auf Berührung durch Artgenossen.

FORTPFLANZUNG:

♀ sind 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif, ♂ sind 5 bis 6 Jahren. Die dreiminütige Paarung findet im Wasser statt. Seehundmännchen sind weder monogam noch bewachen sie einen Harem. Weibchen werfen (je nach Ort) von Jänner (Januar) bis Oktober nach elfmonatiger Tragzeit ein Jungtier geboren, das bei der Geburt etwa 8 - 12 kg wiegt und 85 cm lang ist. Sie gehen oftmals schon nach 5 Minuten ins Wasser. Es wird ungefähr 4 bis 6 Wochen gesäugt und mit ca. 30 kg Gewicht entwöhnt.

NAHRUNG:

Ausgewachsene Seehunde fressen ausschließlich Fische, und zwar Heringe, Sardinen, Dorsche, Kabeljau, Lachse, Stinte, Zander, Tintenfische, Kalmare und Plattfische. Jüngere Seehunde ernähren sich zu einem Großteil von anderen Meerestieren wie Krebstieren und Mollusken.

LEBENSERWARTUNG:

Seehunde können ein Alter von 30 bis 35 Jahre erreichen. Die Lebenserwartung bei den ♀ in der Regel höher als bei ♂, die selten älter als 25 Jahre alt werden.

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ:

Deutschland: An den Küsten der Nordsee ist er allgegenwärtig, jedoch an der Ostseeküste eine extreme Seltenheit. Der Bestand in diesem Binnenmeer wird auf 250 Tiere geschätzt.
In Österreich und in der Schweiz finden sich Seehunde nur in Zoos und Tiergärten.

ANMERKUNG:

Weltweit geschätzt gibt es ~ 500.000 Seehunde, ~ 90.000 davon sind an europäischen Küsten anzutreffen.

Die Largha-Robbe (Phoca largha) wurde früher als Unterart des Seehundes eingestuft, heute wird sie als selbständige Art eingereiht und lebt im Packeis des N-Pazifiks (acht getrennte Populationen).

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.