ANIMALS PLANET - Braunbär


Braunbär
© Ernst Rose: Braunbär
   Quelle: pixelio.de

SYSTEMATIK

  • Überordnung:
    (Laurasiatheria)
  • Ordnung:
    Raubtiere (Carnivora)
  • Überfamilie:
    Hundeartige (Canoidea)
  • Familie:
    Bären (Ursidae)
  • Gattung:
    Bären (Ursus)
  • Art:
    Braunbär (Ursus arctos ) - Linné, 1758

TAXONOMIE

Als Vorfahren der heutigen Bären kommen am ehesten kleine Fleischfresser, der Unterfamilie Agriotheriina, in Frage. Ursus elmenis war ein langschwänziges, dem Waschbären ähnliches, Tier. Spätere Arten waren den heutigen Bären in Größe und Aussehen ähnlich. Nachdem diese Gruppe sich in drei Unterfamilien gespalten hatte starb sie aus. Riesenpandas (2 Arten, einer davon ausgestorben), Ursinae und Tremarctinae differenzierten sich. Der Kurznasige Bär (Arctodus simus) lebte im Pleistozän in Nordamerika (vor 2. Mio. Jahren bis ca. 11.000 Jahren). Der größte Tremarctinae wog bis zu einer Tonne (1.000 kg). Sein einziger heutige lebender verwandter ist der relativ kleine Brillenbär (Tremarctos ornatus).

Unterarten:


Europäischer Braunbär (Ursus arctos arctos),
Eurasien, von Skandinavien über Russland bis Japan, vereinzelt in S- und O-Europa, im Nahen Osten, Himalya, in China und der Mongolei

Grizzlybär (Ursus arctos horribilis),
NW-Nordamerika

Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi),
Der Kodiakbär ist die größte Unterart und die schwerste (bis zu 725 kg). Er lebt auf den Inseln Kodiak, Afognak und Shuyak vor der Küste Alaskas/USA.

In modernen Systematiken werden meist zwischen folgenden Unterarten unterschieden:


Isabellbär (U. a. isabellinus)

Der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos) lebt in den Alpen, in den Pyrenäen, in Ost- und Südeuropa sowie in Skandinavien. Zu dieser Unterart gehört auch der Kantabrische Braunbär.

Der relativ kleinwüchsig Syrische Braunbär (U. a. syriacus) hat eine hellbraune Färbung. Unklar ist, ob der in der Kaukasusregion und Vorderasien heimischen Vertreter, eine eigenständige Unterart ist oder ob es sich um eine lokale Variante des Europäischen Braunbären handelt.

Der großgewachsene Sibirische Braunbär (U. a. beringianus) lebt im asiatischen Teil Russlands.

Der Kamtschatkabär (U. a. piscator) ist ein auf der Halbinsel Kamtschatka beheimateter besonders großgewachsener Vertreter des Sibirischen Braunbären. Er wird manchmal als eigene Unterart aufgeführt. Er ist mit einer Kopf – Rumpf- Länge von 2,5 m und einem Gewicht von 600 kg der zweitgrößte heute lebende Großbär.

Der Atlasbär (U. a. crowtheri) wurde im 19. Jahrhundert ausgerottet und war im nordafrikanischen Atlasgebirge beheimatet. Manchmal wird er als eigenständige Art (Ursus crowtheri) geführt.

Der Grizzlybär (U. a. horribilis) bewohnt Nordamerika. Er ist aggressiver, kräftiger und schwerer als europäische Braunbären.

Der Kalifornische Braun- oder Grizzlybär (U. a. californicus) ist ausgestorben. Er wurde aufgrund seiner Fellfärbung im Englischen als "Golden Bear" bezeichnet und lebte im US-Bundesstaat Kalifornien und auf der Halbinsel Niederkalifornien.

Der, vermutlich in den 1960er Jahren ausgestorbene, Mexikanische Braun- oder Grizzlybär (U. a. nelsoni) war im nördlichen Mexiko beheimatet.

Der Isabellbär (U. a. isabellinus) ist nach seinem isabellfarbenen Fell benannt, er ist in Nordindien, im Himalaya und in Zentralasien beheimatet.

Der Mandschurische Braunbär (U. a. manchuricus) kommt im NO-China und in der Mongolei vor.

Der Kodiakbär (U. a. middendorffi), lebt auf der Insel Kodiak und benachbarten Inseln vor der Südküste Alaskas. Er ist mit einem Gewicht von bis zu 750 kg und einer Körperlänge (Kopf – Rumpf) von bis zu 2,70 m der größte der heute lebenden Großbären.

Der Tibetische Braunbär (U. a. pruinosus) ist in Tibet und Sichuan beheimatet und durch sein blaugraues Fell gekennzeichnet.

Der Hokkaido-Braunbär (U. a. yesoensis) lebt auf der japanischen Insel Hokkaido.

Genetische Untersuchungen unterstützen diese Einteilung jedoch nicht. Mittels Vergleichs der mitochondrialen DNA (mtDNA) wurden mehrere Abstammungslinien (Kladen) der Braunbären festgestellt: So gibt es in Europa zwei Abstammungslinien - eine umfasst die Tiere in Skandinavien und in S-Europa, die zweite die Tiere in O-Europa und Sibirien.

Die Kodiakbären gehören zur selben Linie wie die weit kleineren Exemplare im Landesinneren Alaskas, und die Population auf dem Alexanderarchipel vor der SO-Küste Alaskas stellt eine eigene Linie dar, die genetisch den Eisbären nähersteht als den Tieren auf dem Festland.

ANATOMIE:

Braunbären besitzen einen massigen, muskulösen Körper und kräftige Krallen. Die ganze Fußsohle berührt den Boden, damit die Hinterbeine das Gewicht tragen und er sich aufrichten kann. Die Vorderbeine werden mit der ganzen Sohlen oder nur mit einem Teil davon aufgesetzt. Sie haben 5 Finger bzw. Zehen, die mit nicht einziehbaren, gebogenen Krallen bewehrt sind und als einzige Raubtiere haben sie nur einen kurzen Schwanz und keine Tasthaare im Gesicht.
 
Bären haben von allen Landraubtieren den größten Schädel. Die Zahl der Prämolaren (Vorderbackenzähne) schwankt nicht nur zwischen den Arten, sondern auch zwischen Individuen innerhalb einer Art.
Die Zahnformel lautet: I3/3, C1/1, P2-4/2-4, M2/3=34-42
 
Die vorderen Vorderbackenzähne sind nur rudimentär und stehen in großen Abständen zueinander. Dadurch entsteht zwischen Eckzähnen und Backenzähnen (Molaren) eine Lücke. Mit ihren starken Kaumuskeln zerkleinern sie faserreiche Nahrung.

GRÖSSE, GEWICHT etc.:

Körperlänge: 150 - 280 cm
Schulterhöhe: 90 - 150 cm
Schwanzlänge: 8 - 21 cm
Gewicht: ♂ 135 - 680 kg, gelegentlich bis 725 kg
Gewicht: ♀ 80 - 250 kg, selten bis 340 kg.
 
Das Gewicht variiert je nach Verbreitungsgebiet sehr stark, wobei aber in allen Populationen die Männchen deutlich schwerer als die Weibchen sind. Bären mit Zugang zu Fisch und Fleisch sind schwerer. Am schwersten sind die Bären im Herbst vor dem Winterschlaf

FELL:

Die Farb-Variationen reichen dabei von gelb- und graubraun über verschiedene Brauntöne bis fast schwarz (O-Asien). Die Grizzlybären in den Rocky Mountains weisen oft ein weißgrau gesprenkeltes Oberfell (silbrige Spitzen) auf (gräulich: engl. "grizzly").

VERBREITUNG:

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Braunbären umfasste weite Teile NW-Nordamerikas, Eurasiens und Nordafrikas. (⇒ siehe Unterarten). Außerhalb Russlands kommen sie im Himalaya und im Tibetischen Hochland sowie in einigen Ländern des Nahen Ostens vor. Sogar in der Wüste Gobi gibt es eine kleine Braunbärenpopulation.
Die geografische Verbreitung von Braunbären überschneidet sich mit den Schwarzbären (Baribal bzw. Kragenbären. Schwarzbären halten sich vorwiegend in Wäldern auf, während Braunbären auch jenseits der Braumgrenzen in Höhen bis 5.000 m leben. In vielen Gebieten kommen sowohl Braunbären als auch Baribals (Ursus americanus) bzw. Kragenbären (Ursus thibetanus) vor, dann jedoch zu unterschiedlichen Tageszeiten und meist in unterschiedlichen Habitate.

LEBENSRAUM:

Ihre Lebensräume sind u.a. Wälder, eubalpine Buschtundra bis offenes Gelände wie Tundra, Bergwiesen, Wüsten, Halbwüsten und Küstenregionen und bewaldeten Gebirgsregionen.

LEBENSWEISE:

Braunbären leben in der Regel einzelgängerisch. Bären sind Sohlengänger und bewegen sich im Passgang fort und bei Bedarf können sie sehr schnell laufen und Geschwindigkeiten von 50 km pro Stunde erreichen. Sie schwimmen auch sehr gut. Während Jungtiere noch oft auf Bäume klettern, ist dies ausgewachsenen Tieren aufgrund ihres Gewichtes meist nicht mehr möglich. Bären gelten als vorwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv, insbesondere in von Menschen besiedelten Gebieten. Sie sind Allesfresser und finden die notwendige Nahrung mithilfe ihres scharfen Geruchssinn, ihrer Fähigkeit Farben zu sehen, sowie ihres guten Gedächtnisses.

FORTPFLANZUNG:

Nach der Paarung, die in den Monaten Mai oder Juni erfolgt, entwickeln sich befruchtete Eier zu Blastozysten (Blastozyste: Keimblase mit frühem, undifferenziertem Embryo), setzen ihre weitere Entwicklung aber erst nach der Einnistung im November fort. Wurf von 1 - 4 Jungen, meist jedoch 2 - 3. Die einzige dauerhaftere Bindung ist die der Mutter zu ihrem Nachwuchs.
Tragzeit: 6,5 - 8,5 Monate

FRESSFEINDE:

NAHRUNG:

Sie sind Allesfresser, die aber in erster Linie pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, wie Gräser, Kräuter, Schößlinge, Blüten, Wurzeln, Knollen, Nüsse, Pilze, Kiefersamen, Seggen, Früchte (Nüsse und Beeren), Honig, Fische (Lachs), Insekten und deren Larven, Vögel und deren Eier sowie Nagetiere, bzw. Erdhörnchen (wie Ziesel und Murmeltiere), Lemminge, Taschenratten und Wühlmäuse, weiters auch Weidetiere wie Schafe, Ziegen oder junge Rinder. In den Rocky Mountains fressen sie auch größere Säugetiere wie Elche, Rentiere, Wapitis, Bisons, Weißwedelhirsche und Gabelböcke, jedoch meistens nur kranke oder alte sowie Jungtiere.

LEBENSERWARTUNG:

In freier Natur meist bis 25 Jahre, beobachtet wurden auch schon 36 Jahre. In Gefangenschaft erreichen sie Alter bis 43 Jahren.

IUCN-Status:

Alle Arten sind im CITES-Anhang II aufgeführt, mit Ausnahme chinesischer und mongolischer Bestände, die in Anhang I geführt werden. US-Arten stehen auf der Liste Bedrohter Arten.

ANMERKUNG:

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Braunbären umfasste weite Teile NW-Nordamerikas, Eurasiens und Nordafrikas. Bis Mitte des 19. Jhdts. lebten Braunbären in Nordafrika und bis in den 1960er Jahren in Mexiko. Im Mittelalter waren sie in ganz Europa verbreitet, von Skandinavien bis einschließlich des Mittelmeerraumes und sogar auf den britischen Inseln waren sie vertreten. Durch Überjagung, durch Verlust von Lebensräumen und die Trennung der Population durch Straßenbau führten zu einer Abnahme des Bestandes. Früher wurde die Art in 232 lebende und 39 fossile Arten und Unterarten unterteilt. Bären unterschiedlicher Art, sogar unterschiedlicher Gattung, können fruchtbare Nachkommen zeugen.

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.