ANIMALS PLANET - Äskulapnatter


SYSTEMATIK

  • Domäne:
    Eukaryoten (Eukaryota)
  • Reich:
    Tiere (Animalia)
  • Unterreich:
    Vielzeller(Metazoa)
  • Abteilung:
    Gewebetiere (Eumetazoa)
  • Unterabteilung:
    (Bilateria), Hatschek, 1888
  • Überstamm:
    Neumünder (Deuterostomia, Grobben, 1908
  • Stamm:
    Chordatiere (Chordata)
  • Unterstamm:
    Wirbeltiere/Schädeltiere (Vertebrata/Craniota oder Craniata), De Cuvier, 1812
  • Überklasse:
    Kiefermäuler (Gnathostomata)
  • Reihe:
    Landwirbeltiere (Tetrapoda)
  • Klasse:
    Reptilien (Reptilia), Laurenti, 1768
  • Überordnung:
    (Lepidosauria)
  • Ordnung:
    Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung:
    Schlangen (Serpentes)
  • Überfamilie:
    (Colubroidea)
  • Familie:
    Nattern (Colubridae)
  • Unterfamilie:
    (Colubrinae), Oppel,1811
  • Gattung:
    (Elaphe)
  • Art:
    Äskulapnatter (Elaphe longissima),

TAXONOMIE

Auf der Welt gibt es rund 1500 verschiedene Nattern-Arten. In Europa kommen aber nur 18 von ihnen vor.
Leopold Fitzinger prägte 1833 die Gattung Elaphe für die Kletternattern, in die die Äskulapnatter erst 1925 durch Robert Mertens eingestellt wurde. Diese Einordnung galt bis zur letzten Revision vor wenigen Jahren; seitdem trägt sie den Gattungsnamen Zamenis. Neben der Äskulapnatter wurde unter den in Europa lebenden Schlangen nur die Leopardnatter (Zamenis situla) ebenfalls in diese Gattung gestellt. Manche Herpetologen verwenden für die Äskulapnatter indes weiterhin den Namen Elaphe longissima.

ANATOMIE:

Sie ist wie die meisten Arten der Familie der Nattern ungiftig. Die Grundfärbung der Schlange reicht von einem gelblichen Braun über Olivgrün und Graubraun bis Grauschwarz, wobei die Oberfläche glatt und glänzend ist. Viele der Schuppen sind weiß umrandet, so dass eine helle Längsstrichelung entlang des Körpers entsteht. Bei einigen Tieren gibt es zusätzlich einen dunklen Längsstreifen entlang der Körperseiten. Der Bauch ist hell- oder grünlichgelb bis weißlich gefärbt.

Bei sehr dunklen Individuen kann die Körperunterseite jedoch auch blauschwarz gefärbt sein. Während die 23 (seltener 21) Reihen Rücken- und Seitenschuppen glatt sind, besitzen die Bauchschuppen leichte Kiele, die das Klettern erleichtern.
Junge Äskulapnattern haben am Kopf deutliche gelbe Flecke, weshalb sie manchmal mit Ringelnattern verwechselt werden. Die Äskulapnatter gehört mit einer durchschnittliche Körperlänge von 1,40 bis 1,80 m, manchmal bis zu 2 m Länge (in S-Europa), zu den größten Schlangenarten Europas. ♂♂ werden grundsätzlich etwas größer als ♀♀.

Der Kopf ist vom Rumpf nur leicht abgesetzt und besitzt im Normalfall keine Zeichnung. Die Augen sind mittelgroß mit einer runden Pupille. Der Kopf besitzt acht, seltener neun Oberlippenschilde oder Supralabialia sowie einen Voraugenschild, der in der Herpetologie Praeoculare genannt wird.

Die Männchen wiegen bis zu 400 Gramm, die Weibchen zwischen 250 und 350 Gramm; sie sind meist deutlich kleiner als die Männchen.

VERBREITUNG:

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich entsprechend von Nordspanien über Mittelfrankreich, die Schweiz, Österreich und einige Reliktgebiete in Süddeutschland über Tschechien, den Süden Polens und die Balkanstaaten nach Griechenland und die südwestlichen Gebiete der ehemaligen Sowjetunion und weiter in die Türkei, nach Transkaukasien und in den nördlichen Iran. In Österreich werden alle Bundesländer mit Ausnahme von Vorarlberg und Tirol besiedelt.

LEBENSRAUM:

Die Äskulapnatter gehören zu den Kletternattern, die zum Teil auch auf Bäumen leben. Sie bevorzugt warme und besonnte Bereiche, die jedoch nicht zu trocken sein dürfen, z.B: : feuchtwarmer Südhang mit buschiger, nicht zu dichter Vegetation, Geröll, Gebüschen mit Efeu und Brombeergestrüpp oder an feuchtwarmen, sonnenexponierten Stellen im Flachland. Sie ist auch an Flussufern und in Auwäldern auf sowie auf Waldlichtungen häufig anzutreffen. Ebenfalls beliebt sind Legesteinmauern, alte Steinbrüche, Ruinengelände und die Randbereiche landwirtschaftlich genutzter Flächen wie etwa verbuschte Hangwiesen.

LEBENSWEISE:

Die Äskulapnatter ist tagaktiv, verlagert jedoch besonders im Hochsommer ihre Hauptaktivitätsphasen in die Morgen- und Abenddämmerung. Bei sehr großer Hitze versteckt sie sich im Schatten. In den Wintermonaten hält sie abhängig vom Klima, eine fünf bis sechs Monate andauernde Winterruhe. Obwohl die Äskulapnatter sehr gut klettern kann, lebt sie vor allem auf dem Boden sowie in niedrigem Gestrüpp. Sie bewegt sich dabei sehr flink und leise. Auch bei Störungen verhält sich die Schlange wenig angriffslustig.

FRESSFEINDE:

Die Feinde der Äskulapnatter sind vor allem Marder, Iltis, den Dachs sowie Stein- und Baummarder; unter den Vögeln sind es der Mäusebussard, der Wespenbussard, der Schlangenadler sowie verschiedene Rabenvögel. Besonders Jungtiere werden auch von anderen Schlangenarten wie etwa der Treppennatter oder der Eidechsennatter erbeutet

NAHRUNG:

Die Äskulapnatter ernährt sich von Kleinsäugern (Mäusen: Langschwanzmäuse, der Wühlmäuse sowie der Spitzmäuse), sowie von Eidechsen und Vögeln (Kohlmeisen, Baumläufer, Fliegenschnäpper, Ammern, Schmätzer sowie der Zaunkönig) und deren Nestlingen und Eiern. Seltener wurden Arten wie Siebenschläfer, Maulwürfe, Eichhörnchen, Wiesel, Fledermäuse gefunden, Insekten, Froschlurche, Feuersalamander oder andere Schlangen wie die Ringelnatter oder die Schlingnatter.

LEBENSERWARTUNG:

Wissenschaftler vermuten, dass sie bis zu 30 Jahre alt werden können.

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ:

Bundesrepublik Deutschland: 1 – vom Aussterben bedroht
Österreichs: NT (Gefährdung droht)
Schweiz: EN (entspricht: stark gefährdet)

ANMERKUNG:

Weil die Äskulapnattern sich regelmäßig häuten, galten sie bei den Griechen und Römern als Symbol der Verjüngung und waren dem griechischen Gott der Heilkunde Asklepios geweiht, um dessen Stab sich eine Schlange windet. Auch heute noch dient der Äskulapstab den Medizinern und Pharmazeuten als Symbol.

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

Einstufungskategorien der IUCN:

  • EX Extinct, ausgestorben: Das letzte Individuum dieses Taxons ist ausgestorben.
  • EW Extinct in the Wild, in freier Natur ausgestorben. Es gibt nur noch Arten dieses Taxons in Menschenobhut (Zoos, Tierparks etc.) bzw. wieder ausgewilderte Tiere
  • CR Critically Endangered, vom Aussterben bedroht. Es ist anzunehmen, dass diese Tierart in unmittelbarer Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • EN Endangered, stark gefährdet: Es besteht die Gefahr, dass das Taxon in naher Zukunft in der freien Natur aussterben wird.
  • VU Vulnerable, gefährdet. Das Taxon läuft mittelfristig Gefahr, in freier Natur auszusterben.
  • LR Low Risk, Geringe Gefährdung. Ein Taxon, das vermutlich bedroht oder gefährdet ist, aber die Kriterien für CR, VU oder EN nicht erfüllt.
    • CD Conservation dependent, von Schutzmaßnahmen abhängig: Taxa, die durch taxon- oder habitatspezifische Schutzmaßnahmen betreut werden, ohne die sie innerhalb von fünf Jahren in eine der oben genannten Kategorien eingestuft werden müssen.
    • NT Near Threatened, Vorwarnliste: Taxa, die nicht in die Kategorie CD fallen, aber selten und möglicherweise bald gefährdet sind und deshalb auf der Vorwarnliste stehen.
    • LC Least Concern, Bestand noch nicht Besorgnis erregend: Taxa, die in keine der beiden eben genannten Kategorien fallen.