ANIMALS PLANET - Unken


SYSTEMATIK

  • Klasse:
    Lurche (Amphibia)
  • Unterklasse:
    (Lissamphibia)
  • Überordnung:
    (Salientia)
  • Ordnung:
    Froschlurche (Anura)
  • Überfamilie:
    (Dicoglossoidea)
  • Familie:
    (Bombinatoridae)
  • Gattung:
    Barbourfrösche (Barbourula)
  • Art:
    (Barbourula busuangensis)
  • Art:
    (Barbourula kalimantanensis)
  • Gattung:
    Unken (Bombina), Oken, 1816
  • Art:
    Rotbauchunke, auch Tieflandunke oder Feuerkröte (Bombina bombina) - (Linnaeus, 1761)
  • Art:
    Guangxi-Rotbauchunke (Bombina fortinuptialis), Tian & Wu in Liu, Hu, Tian & Wu, 1978
  • Art:
    Lichuan-Rotbauchunke (Bombina lichuanensis), Ye & Fei, 1994
  • Art:
    Riesenunke (Bombina maxima), (Boulenger, 1905)
  • Art:
    Hubei-Rotbauchunke (Bombina microdeladigitora), Liu, Hu & Yang, 1960
  • Art:
    Chinesische oder Orientalische Rotbauchunke (Bombina orientalis), (Boulenger, 1890)
  • Art:
    Apennin-Gelbbauchunke (Bombina pachypus), (Bonaparte, 1838)
  • Art:
    Gelbbauchunke auch Bergunke (Bombina variegata) - (Linnaeus, 1758)
  • Unterart:
    Gelbbauchunke (Bombina variegata kolombatovici)
  • Unterart:
    Gelbbauchunke (Bombina variegata scabra)
  • Unterart:
    Gelbbauchunke (Bombina variegata variegata)
  • Unterart:
    (Bombina variegata variegata)

TAXONOMIE

  • 1758 Carl von Linné: Gelbbauchunke (Rana variegata)
  • 1761 Carl von Linné: Rotbauchunke (Rana bombina)
  • 1816 Erstbeschreibung der Gattung Bombina durch Lorenz Oken: Rotbauchunke (Bombina bombina)
  • 1768 wurden die Arten dann durch Josephus Nicolaus Laurenti den Kröten in der Gattung Bufo zugeschlagen.
  • 1820 erneute Beschreibung durch Blasius Merrem unter dem Namen Bombinator (darauf aufbauend nannte John Edward Gray die Familie Bombinatoridae), die sich als gültiger Gattungsname bis 1907 halten konnte.
  • 1907 Leonhard Hess Stejneger griff auf den nach der Prioritätsregel der zoologischen Nomenklatur gültigen Namen von Oken zurück, Bombinator blieb allerdings weiterhin das häufigste Synonym.

ANATOMIE:

Die Rotbauchunke hat einen abgeflachtem Körper und eine runder Schnauze. Die Pupille ist breit und herzförmig, das Trommelfell ist nicht sichtbar und die Ohrdrüsen (Parotiden) fehlen. Die Rückenhaut hat kleine, weiche Warzen und diese sind mit einer schwarzen Hornkuppe besetzt und im Nacken befindet sich ein dunkler, paarig angeordneter und bogenförmiger Drüsenkomplex. Die Finger- und Zehenspitzen sind dunkel gefärbt und die Rückenseite ist dunkelgrau- bis grünbraun. Die schwarze bis bleigraue Bauchseite ist mit auffälligen hellen und deutlichen orangefarbenen bis roten Flecken besetzt. Anhand der Flecken, die ein individuelles Muster bilden, können Einzelexemplare identifizieren werden. Die ♂♂ besitzen innere Schallblasen, so genannte Kehlblasen, und in der Fortpflanzungszeit (Mitte Mai bis Mitte Juni) Brunstschwielen an der Innenseite der Unterarme.

Die Gelbbauchunke hat einen abgeflachtem Körper (nicht so stark wie bei der Rotbauchunke) und eine runder Schnauze. Die Pupille ist schmal und herzförmig, das Trommelfell ist nicht sichtbar und die Ohrdrüsen (Parotiden) fehlen. Die zahlreichen kleinen Warzen auf dem Rücken sind mit winzigen schwarzen Hornstacheln besetzt. Die Rückenseite ist graubraun, lehmbraun oder oliv gefärbt. Die Unterseite, inklusive der Innenseiten der Gliedmaßen und der Finger und Zehen, ist leuchtend hellgelb bis orange gefärbt und mit deutlichen schwarzen Flecken besetzt. Die ♂♂ besitzen in der Fortpflanzungszeit (Ende April bis Mitte August) Brunstschwielen an der Innenseite der Unterarme, jedoch keine Schallblasen. Die Laute sind leiser als bei der Rotbauchunke, aber mit einer höheren Ruffrequenz von über 40 Rufen je Minute.

GRÖSSE: Kopf-Rumpf-Länge: 4,5 bis 5,5 cm

VERBREITUNG:

Die Unken kommen sowohl in Europa, als auch im vorwiegend klimatisch gemäß;igten Asien, vor. In weiten Teilen Europas und Westasiens sind Rotbauchunke und Gelbbauchunke - im letzteren Fall in mehreren Unterarten - zu finden. Die restlichen sechs Arten leben in Ostasien. Das Verbreitungsgebiet der Chinesischen Rotbauchunke reicht von O-Russland, Teile Koreas bis nach Japan. In NO-Chinas findet man sie nur sehr lokal in verschiedenen Regionen.

LEBENSRAUM:

Alle Unken sind stark wassergebundene, tag- und nachtaktiver Froschlurche und bevorzugen als Habitate stehende Gewässer.
 
Die Rotbauchunke lebt an flache, gut besonnte Stillgewässer wie kleineren Altarmen von Flüssen oder ruhigen Feldweihern, verlandende Kiesgruben, und vor allem an Überflutungstümpeln auf Wiesen und in Auen und in mit Wasser gefüllte Wagenspuren an Feldwegen.
 
Die Gelbbauchunke (Bergunke) findet man nur in höher gelegenen Gebieten, wo sie sich vor allem in Klein- und Kleinstgewässern wie Tümpeln in Steinbrüchen, Sand- u. Kiesgruben, Lehmpfützen oder wassergefüllten Fahrzeugspuren aufhält (bei Austrocknung: Rückzug in den Boden), oft auch in der Nähe von kleinen Bergbächen. Die asiatischen Arten leben ebenfalls in Kleingewässern und können dabei bis in Höhen von über 3.000 m vorkommen.

LEBENSWEISE:

Unken sind außerhalb der Paarungszeit weitgehend nachtaktiv und kommen in intakten Populationen in größerer Anzahl vor. Sie leben semi-aquatil und sind entsprechend morphologisch an das Wasserleben gut angepasst. Ihr Ruheverhalten innerhalb von Gewässern besteht darin, dass sie sich breitbeinig an der Wasseroberfläche treiben lassen, vor allem in flacheren und damit wärmeren Gewässerbereichen. Sie halten sich aber auch am Erdboden entlang der Uferlinie auf. Während der Wintermonate halten die Tiere eine Winterruhe, bei der sie sich im Erdreich vergraben bzw. in vorhandene Höhlungen zurückziehen.

FORTPFLANZUNG:

Rotbauchunke: Die Männchen besitzen innere Schallblasen. Die Paarungsrufe ertönen nachmittags und in der ersten Nachthälfte und klingen "melancholisch". Um die Rufbereitschaft auszulösen ist eine Wassertemperatur von mind. 12 ° Cerforderlich. Die zeitliche Abfolge der Einzellaute übersteigt normalerweise nicht 40 pro Minute – dies ist weniger als bei der Gelbbauchunke - und die Rufe sind tiefer und lauter.
Die ♂♂ besetzen ein Revier von 2 bis 3 m Ø. ♀♀ werden zur Paarung in der Lendengegend umklammert. Ihren Laich legen Rotbauchunken in mehrere Laichklümpchen von je bis zu 30 Eiern (insgesamt bis zu 300 Eier pro Saison) an Wasserpflanzen oder am Gewässerboden ab. Es handelt sich immer um deutlich weniger als 100 Eier pro Paarung. Die Larven (Kaulquappen) werden bis 55 Millimeter lang.

Gelbbauchunke: Die Paarungsrufe der Männchen erklingen "glockenartig" im Spätfrühling und im Frühsommer und klingen. Gelbbauchunke besitzen keine Schallblasen, daher sind die Rufe nur recht leise zu hören. Die zeitliche Abfolge der Einzellaute erfolgt mehr als 40x pro Minute. Durch ergiebige Regenfälle entstehen die bevorzugten Kleinstgewässer und so kmmt es bis zu drei Laich-Perioden im Jahr. Die Männchen klammern die Weibchen nicht hinter den Vorderbeinen, sondern in der Hüftregion. Die Eier werden in lockeren Klümpchen von 2 bis 30 Stück an untergetauchte Grashalme und ähnliche Strukturen geklebt.

Ein Weibchen kann 120 bis 170 Eier jährlich legen. Die 1,5 bis 2 mm groß;en Eier sind oberseits mittelbraun, am unteren Pol hellbraun. Die Gallerthüllen besitzen einen Ø von 5 bis 8 mm. Die Hauptlaichzeit reicht in Mitteleuropa von Mai bis Juni. Die Kaulquappen schlüpfen bereits nach zwei bis drei Tagen. Die Dauer der Larvenentwicklung hängt von der Umgebungstemperatur ab und liegt meist zwischen 41 und 67 Tagen

FRESSFEINDE:

Fressfeinde der adulten Unken sind vor allem Schlangen, wie etwa in Europa die Ringelnatter (Natrix natrix) oder die Würfelnatter (Natrix tesselata), weiters der Weiß;storch (Ciconia ciconia), der Schwarzstorch (Ciconia nigra), die Krähe (Corvus corone), die Elster (Pica pica), der Nachtreiher (Nycticorax nycticorax) in der Ukraine, der Igel und die Spitzmaus.

Die Larven und Eier werden von Kammmolchen, Wasserfröschen und Wasserschildkröten wie der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) verspeist.

Auch Kannibalismus tritt bei Unken, vor allem der Gelbbauchunke, auf. Dabei fressen ausgewachsene Tiere die Larven bzw. fressen die Larven teilweise die Eier und kleinere Larven der gleichen Art.

NAHRUNG:

Die Larven ernähren sich vor allem von organischem Aufwuchs (Algen, Bakterien) an Pflanzenstängeln, Steinen und anderen Strukturen unter Wasser. Daneben fressen sie auch den Laich anderer Froschlurche sowie gelegentlich auch den der eigenen Art sowie kleinere, geschwächte oder tote Kaulquappen. Adulte Unken nehmen lebende tierische Nahrung wie Insekten (Käfern, Webspinnen, Nacktschnecken, Würmer, Ameisen, Zweiflüglern) und deren Larven (z.B. Zuckmückenlarven) auf, die sie überwiegend im oder am Gewässer fangen.

LEBENSERWARTUNG:

Rotbauchunke: ca. 20 Jahre (in Gefangenschaft)
Gelbbauchunke: 27 Jahre (in Gefangenschaft)

DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ:

Die Gelbbauchunke ist eine typische Art des Berg- und Hügellandes. In allen Bundesländern ist sie in Höhen von 210 m (Steiermark) bis 1900 m (Kärnten) zu finden, am Häufigsten in Höhenlagen zwischen 200 m und 800 m.

ANMERKUNG:

Die Unken zeigen bei Gefahr die Kahnstellung, den sogenannten Unkenreflex. Dabei werfen sie sich auf den Rücken und zeigen die schwarz-gelb gefärbte Bauchseite. Diese signalisiert den Angreifern Giftigkeit, Ungenießbarkeit oder auch Wehrhaftigkeit.

Abkürzungen:

Männchen
♂ ♂ Männchen (Mehrzahl)
Weibchen
♀ ♀ Weibchen (Mehrzahl)
ausgestorben, ausgerottet
gefährdet
PK Prachtkleid (Sommer)
SK Schlichtkleid (Winter)
ad. adult (erwachsen)
juv. juvenil (jung)
immat. immatur (heranwachsend)

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