STRAUSSE

 
Strauß - © Klaus-Peter Wolf/pixelio.de
Strauße gehören wie die Nandus, Emus, Kasuare, Kiwis und Steißhühner zur Ordnung der flugunfähigen Flachbrustvögel (Ratitae). Der Strauß ist nicht nur der größte lebende Vogel, er ist auch der größte flugunfähige Laufvogel.

 
Der Strauß, das Nutztier der Zukunft entwickelte sich vor ca. 55 Millionen Jahren in den Steppen Asiens. Die Laufvögel stammen von flugfähigen Ahnen ab. Vermutlich verloren sie ihr Flugvermögen mit ihrer zunehmenden Köerpergröße. Fossile Funde aus dem Raum Wien zeigen, dass der Laufvogel vor ca. 10.000 Jahren auch in Mittel- und Westeuropa beheimatet war. Weitere Funde gab es in Ungarn und in der Ukraine. Im Tertiär gab es noch sieben (neun?) Arten von Strauße. Diese waren von der Schweiz bis China und Indien verbreitet.
 
In Syrien und Arabien wurde der Strauß ausgerottet. In der arabischen Welt misst man den Schalen magische Kräfte bei. So werden sie oft von den Muslimen in den Dächern ihrer Häuser oder ägyptischen Moscheen als Blitzableiter eingebaut.

 
SYSTEMATIK:
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neuvögel (Neornithes)
Überordnung: Flachbrustvögel (Ratitae)
Ordnung: Laufvögel (auch Ratiten) (Struthioniformes)
Unterordnung: Strauße (Struthiones)
Familie: Strauße (Struthionidae)
Gattung: Strauße (Struthio), Linné, 1758
Art: Strauß (Struthio camelus), Linné, 1758
Unterart: Arabischer Strauß (Struthio camelus syriacus) † 1966, Rothschild, 1919
Unterart: Nordafrikanischer Strauß (Struthio camelus camelus), Linné, 1758
Unterart: Ostafrikan. (oder Massai-) Strauß (Struthio c. massaicus), Neumann, 1898
Unterart: Somali-Strauß (Struthio camelus molybdophanes), Reichenow, 1883
Unterart: Südafrikanischer Strauß (Struthio camelus australis), Gurney, 1868

 
VERBREITUNG AFRIKANISCHER STRAUSSE:
Verbreitung afrikanischer Strausse

 
STECKBRIEF STRAUSS:
Verbreitung: Afrika bis vor kurzem Arabien
Lebensraum: Halbwüsten und offene Savannen
Höhe: etwa 250 cm, Männchen etwas größer als Weibchen
Gewicht: um 115 kg
Gefieder: Ad. ♂ siehe Unteraten; ♀, Immat. und Juv. graubraun
Stimme: lautes Zischen und tiefes Grunzen
Gelege: 10-40 Eier, glänzend cremeweiß, Gewicht 1,1-1,9 kg
Legeperiode: 3 Wochen
Brutdauer: 42 Tage
Nahrung: Gräser, Blätter, Blüten und Sämlinge.
Schutzstatus: Afrikanische Strauße sind derzeit nicht gefährdet.

 
Abkürzungen:
  • Männchen
  • ♂ ♂Männchen (Mehrzahl)
  • Weibchen
  • ♀ ♀Weibchen (Mehrzahl)
  • ausgestorben, ausgerottet
  • gefährdet
  • PKPrachtkleid (Sommer)
  • SKSchlichtkleid (Winter)
  • ad.adult (erwachsen)
  • juv.juvenil (jung)
  • immat.immatur (heranwachsend)

 
NORDAFRIKANISCHER STRAUSS (Hahn):
Gefieder: pechschwarz
Schwungfedern: -
Halsfarbe: rot
Halsbefiederung: spärlich, weißer Ringsaum
Hautfarbe: rot
Besonderheit: runde kahle Stelle auf Oberschädel
Nest: flache Bodenmulde
Größe: 245 - 275 cm
Gewicht: 125 kg

 
OSTAFRIKANISCHER STRAUSS (Hahn):
Gefieder: braunschwarz
Schwungfedern: weiß:
Halsfarbe: rötlich
Halsbefiederung: stark weißlich, reicht höher hinauf
Hautfarbe: rosig
Besonderheit: -
Größe: 230 - 270 cm
Gewicht: 115 - 120 kg

 
SOMALI-STRAUSS (Hahn):
Gefieder: pechschwarz
Schwungfedern: -
Halsfarbe: blaugrau
Halsbefiederung: weißer Ringsaum
Hautfarbe: blaugrau
Besonderheit: Oberkopf kahl
Größe: 230 - 270 cm
Gewicht: 115 - 120 kg

 
SÜDAFRIKANISCHER STRAUSS (Hahn):
Gefieder: pechschwarz
Schwungfedern: -
Halsfarbe: blaugrau
Halsbefiederung: ohne Ringsaum, unteres Drittel befiedert
Hautfarbe: helles grau
Besonderheit: -
Größe: 210 - 250 cm
Gewicht: 110 kg

 
Hinweise:
  • Der afrikanische Farmstrauß stellt eine Varitätenkreuzung aus Nord- und Südafrikanischen Strauß dar und gehört zu den Blauhalsstraußen. Er wird in der amerikanischen Literatur als American Black (Struthio camelus domesticus) bezeichnet.
  • Früher lebte der Arabischer Strauß (Struthio camelus syriacus) auf der arabischen Halbinsel bis nordwärts in den Irak. Das letzte, 1966 bei Maan in Jordanien gefundene Exemplar muss mit einem Flutstrom von Saudi-Arabien her angespült worden sein.

 
ANATOMIE:
Besonderes Merkmal aller Ratiten ist ein flaches Brustbein (Sternum) und das Fehlen des Brustbeinkiels (Carina). Die Brustmuskeln sind verkümmert und das Brustbeinkamm, die Schwungfedern und Steuerfedern rückgebildet. Die Schlüsselbeine fast zur Gänze verschwunden. Der Strauß besitzt Federn mit einem Hauptschaft. Der Flügel besitzt 16 Hand-, 4 Daumen-, 20 bis 23 Armschwingen und 50 bis 60 Steuerfedern. Die Schwingen und Steuerfedern sind zu Schmuckfedern umgewandelt. Keine Abgrenzung von Federfluren und Federrainen; durch den Schwund der Federfahnen ist das Einfetten des Gefieders unnötig. Die Bürzeldrüse fehlt.
 
Mit dem kleinen Kopf, dem sehr langen, wenig befiederten Hals und den kräftigen langen, zweizehigen Beinen unverkennbar. Beinknochen sind außer Oberschenkel nicht mehr lufthaltig. Hornschilder sind bei geschlechtsreifen ♂♂ rot und bei geschlechtsreifen ♀♀ schwarz. Drei Magenabschnitte: Darm ist bis zu 14 m lang, Enddarm ist sehr ausgedehnt und Bilddärme ist etwa 70 cm lang. Das zurückziehbare Begattungsglied ist bis zu 20 cm lang.
 
LEBENSWEISE:
Er lebt in Familienverbänden und Gruppen in Halbwüsten oder in offenen Gras- oder Buschsavannen. In den afrikanischen Steppen und Savannen sieht man sehr oft die Lebensgemeinschaften von Straußen, Gnus, Zebras, Antilopen und anderes Großwild. Durch dieses Zusammenleben entstehen für alle Vorteile: die Strauße sind groß und sehen ausgezeichnet, sie dienen also mit ihrer Wachsamkeit, während die Herden mit ihren Hufen beim Weiden Insekten, Reptilien und kleine Nager aufstöbern.
 
Da er nur wenig Wasser benötigt kann er tagelang dursten. Er nimmt gerne Sandbäder. Mit seinen langen, kräftigen Beinen kann er nicht nur schnell laufen, sondern auch vier Meter weit springen. Fühlt er sich bedroht verwendet der Strauß seine Beine auch als Waffen. Beim Laufen wird eine max. Geschwindigkeit von 50 km/h erreicht. In Freiheit wird er 30 bis 40 Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 60 Jahre.
 
FORTPFLANZUNG:
Seine kurzen Flügel dienen hauptsächlich bei der Balz. Bei der Balz beschreiben die Schmuckfedern an den heftig gegenläufig schlagenden Flügeln weiße Ringe um den schwarzen Leib. Dazu bläst der Hahn den fast kahlen Hals auf und lässt ein laut dröhnendes Brummen zu hören.
 
Jeder Hahn hat einen Harem von zwei bis fünf Weibchen. Ein Männchen legt in seinem Territorium (2 bis 20 km2) mehrere flache Mulden an und die Hennen legen ihre Eier in ein Nest. Während der Brutzeit von 39 bis 42 Tagen wird das Brüten und Führen der Jungen in der Hauptsache vom Hahn (nachts) und der Haupthenne (tagsüber) übernommen. Die Kücken sind beim Schlüpfen bereits weit entwickelt und sie sind Nestflüchter. Beide Geschlechter bewachen die Kücken und bleiben zwölf Monate zusammen.
 
Nach fünf Monaten sind sie schon 150 cm groß und nach drei oder vier Jahren sind sie ausgewachsen. Strauße werden recht alt. In Tiergärten werden sie bis zu fünfzig Jahre.
 
FEINDE:
Unbewachte Nester werden leicht zur Beute der Schmutzgeier (Neophron percnopterus). Diese lasse Steine auf die dickschaligen Eier fallen um sie aufzubrechen. Bewachte Nester sind durch Schakale und Hyänen gefährdet.
 
NAHRUNG:
Die Nahrung bildet eine Auswahl von Früchten, Körnern, Sukkulentenblättern und den jungen Teilen von Sträuchern, Blattgewächsen und Gräsern. Sie fressen außerdem kleine Wirbeltiere und nehmen Steine auf, die ihnen bei Zerkleinerung der Nahrung helfen.
 

 
Literatur:
  • Joseph Forshaw, Vögel - Enzyklopädie der Tierwelt, Orbis Verlag ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH., München 2003
  • Bernhard Grzimek, Grzimeks Tierleben - Vögel 1, Band 7, Lizenzausgabe für Weltbildverlag, Augsburg 2000
  • Hermann Heinzel, Richard Fitter, John Parslow, Pareys Vogelbuch, Parey Buchverlag Berlin, Berlin - Wien 1996
  • Chritian Kistner, Gerald Reiner, Strauße - Zucht, Haltung und Vermarktung, Eugen Ulmer Verlag GmbH. & Co., Stuttgart 2004
  • Redaktionsbüro LOOP, Der Brockhaus - Tiere und Pflanzen, F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim 2001
  • Christopher Perrins (Hg.), Vögel der Welt, BLV Verlagsgesellschaft mbH., München 2004
  • Dr. Hans Petzsch, Urania Tierreich - Vögel, Urania Verlag, Berlin 2000

 
Das Foto auf dieser Seite stammt von PIXELIO
 
Titel: © FotografInnen
Strausse: Klaus-Peter Wolf / PIXELIO

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